Leitstellen Simulation / Controll Center Simulation


Trotz aller installierten Technik in einer Leitstelle ist vor allem die Arbeit im Team verantwortlich dafür, ob Einsätze effektiv und zum Wohle des oder der Betroffenen abgewickelt werden. Gravierende Veränderungen im Aufgabengebiet des Leitstellendisponenten, wie z.B. die Gabe von Hilfehinweisen im Notrufdialog, die Implementierung neuer Technologien, wie z.B. eCall und IP-Notruf und nicht zuletzt wachsende Leitstellengrößen mit immer mehr Disponenten in einem Betriebsraum , erfordern ein Umdenken in der gesamten Leitstellenarbeit und den Kommunikationsstrukturen in einer Leitstelle.

Die Leitstelle gehört eindeutig in den Bereich der Organisationen, die bei hohem po- tentiellem Risiko für Menschen und Sachwerte besonders zuverlässig und achtsam handeln müssen. Es handelt sich hierbei um eine sogenannte Hochsicherheits-Organisation, oft auch als „High Reliability Organisations (HRO)“ bezeichnet. Zu den HRO zählen zum Beispiel die Notaufnahme, der OP-Bereich eines Krankenhauses oder diedie Flugsicherung.

Für die Arbeit in Leitstellen ist anzunehmen, dass die Optimierung der Zusammenarbeit im Team und die Reflektion eigener Verhaltensweisen in kritischen, komplizierten und komplexen Situationen zu spürbar besseren Einsatzentscheidungen führen werden. Der Umgang mit kritischen und komplexen Situationen, die in der Regel plötzlich und unerwartet zustande kommen, am besten in Simulationen trainiert werden. Es gilt vor allem Strategien zu etablieren, die die Arbeit im Team strukturieren sowie den ständigen Informationsaustausch und die optimale Einsatzabwicklung sicherstellen.

Die DGSiM (Deutsche Gesellschaft zur Förderung der Simulation in der Medizin e.V.) bei der ReHaGe Mitglied ist, hat es sich zum Ziel gemacht, die Simulation in der Medizin und Medizin-assoziierten Bereichen in ihrer Anwendung und Forschung in Deutschland zu fördern und eine Verbesserung der Patientenversorgung und Patientensicherheit zu erreichen.

In vielen Hochrisiko- bzw. Hochsicherheitsindustrien, wie beispielsweise der Luftfahrt, der Kernkraft, der Großchemie, auf Windkraftanlagen oder auf Ölbohrinseln, finden wir komplexe Arbeitswelten, in denen häufig kritische Entscheidungen zu treffen sind. Je komplexer die Arbeitsfelder sind, desto fruchtbarer ist der Nährboden für das Auftreten von Fehlern aller Art. Und umso schwerwiegender ist oft das Ausmaß eines Fehlers für einzelne Mitarbeiter, den oder die Betroffenen und / oder die Umwelt. Werden die Leitstellen diesen Bereich zugeordnet, gelten sowohl vorstehende als auch nachfolgende Aussagen auch für diese.

Hochrisiko- und Hochsicherheitsindustrien wissen, dass menschliche Fehler unmöglich eliminiert werden können und erkennen daher Fehler als festen Bestandteil jeder menschlichen Tätigkeit an (Theorie der sog. High Reliability Organisationen). Folgerichtig sind dort auch die Prävention und das Management von Fehlern und Zwischenfällen routinemäßig verankert. Hochrisiko- und Hochsicherheitsindustrien sind sich bewusst, dass professionelle Leistungen auf höchstem Niveau von Teams nur dann erwartet werden können, wenn regelmäßig kritische Situationen im Team trai- niert werden. Eine erfolgreiche Trainingsstrategie ist die regelmäßige Durchführung von modernen, realitätsnahen Simulations-Teamtrainings. In komplexen Arbeitsfel- dern, wie z.B. auch der Leitstelle, sollte Simulationstraining daher obligat werden.

Moderne Simulations-Teamtrainings führen in allen Bereichen, in denen regelmäßig mit kritischen Situationen gerechnet werden muss, zu einem enormen Zuwachs an Sicherheit in der Leitstellenarbeit. Aus diesem Grund ist es wichtig, regelmäßig kritische Ereignisse und Zwischenfälle durch Simulation zu trainieren. Da in bis zu 70% die Ursachen für kritische Ereignisse und Zwischenfälle im Bereich der Human Factors (menschliche Faktoren) liegen, müssen moderne Teamtrainings diese Aspekte, neben denen der Systemsicherheit abbilden. Der große Lerneffekt ist aber nur dann gegeben, wenn die Trainings nach aktuellen Standards für die Erwachsenenbildung (u.a. selbstreflektives Lernen) und unter Einbezug von „menschlichen Faktoren“ (Human Factors) und Crisis Resource Management (CRM) Techniken durchgeführt und ausgewertet werden. Simulationstrainings, die ohne den Fokus auf Human Factors und CRM durchgeführt werden, entsprechen aus oben genannten Gründen nicht mehr dem aktuellen Stand der Wissenschaft.

Im Gegensatz zu bisherigen Ausbildungskonzepten basieren moderne, realitätsnahe Simulations-Teamtrainings auf fundierten Konzepten der Erwachsenenbildung, die die Mitarbeiter zur Selbstreflexion in kollegialer Atmosphäre anregen (z.B. „3B- Technik“) und tiefgreifende Lernprozesse induzieren (z.B. „double loop learning“).

Der Umstand, dass Videoaufnahmen gemacht werden, erzeugt vielfach Unbehagen, da man sich meist selbst nicht gerne in der Videoanalyse wiedersehen will. Dieses Unbehagen kann man relativ schnell ausräumen, wenn man darstellt, dass es gar nicht um das eigentliche Bild, sondern vielmehr um die Reproduzierbarkeit der Situation geht.

Die Simulation von Arbeitsabläufen in der Leitstelle sollen den kompletten, realen Arbeitsplatz des Leitstellendisponenten - meist mehrere Dispositionsplätze - abbilden, die dann innerhalb eines Szenarios – sofern etabliert - von einem Schichtführer/ Lagedienstführer koordiniert werden müssen. Von Simulation im eigentlichen Sinn wird auch hier erst gesprochen, wenn ein Training komplexer Abläufe im Rahmen relevanter und beschriebener Einsatzlagen durchgeführt und die Simulation mit einem kompetent durchgeführten Debriefing abgeschlossen wird.

Die Trainingsszenarien müssen die Rahmenbedingungen der jeweiligen Leitstelle, wie z.B. Fahrzeugkontingent, Besonderheiten des Versorgungsbereiches oder strukturelle Gegebenheiten berücksichtigen. Die Szenarien müssen in den Grundstrukturen vorbereitet werden aber dennoch so flexibel handhabbar sein, dass sie auch an nicht zu erwartende Entscheidungen der Trainierenden angepasst werden können. Vor allem aber müssen die Szenarien so angelegt werden, dass Subjektivität bei der Einspielung im Training zu einem großen Teil ausgeschaltet wird und die Einsatzla- gen für den Teilnehmer eine hohe Relevanz besitzen.

Der Wasserrettungseinsatz auf hoher See in einer Leitstelle im bayerischen Wald hat für den Leitstellendisponenten ebenso wenig Relevanz wie ein Einsatz der Bergrettung für die Leitstelle an der Weser in einer norddeutschen Großstadt. Je höher die Relevanz, umso besser und einfacher kann der Transfer in die tägliche Einsatzpraxis durch den Teilnehmer erfolgen.

Die Trainingsszenarien müssen angemessen und leistbar sein. Neben dem Abbild des Tagesgeschäfts bietet es sich an, auch seltenere Ereignisse einzuspielen. Dass muss nicht der Reaktorunfall sein, aber zum Beispiel ein kleiner Unfall in einer radiologischen Arztpraxis ist nicht alltäglich, aber realistisch. Die Disponenten können dadurch die strukturierte Bearbeitung der Situation trainieren.

Die zur Simulation eingesetzte Leitstellentechnik muss der des täglichen Arbeitsumfeldes entsprechen. Der Datenbestand bildet idealerweise auch den des eigenen Versorgungsbereiches ab. Dazu gehören Objekte, Straßen und Rettungsmittel eben- so wie Unterstützer und Organisationen. Findet die Simulation in der Schulungsumgebung des Einsatzleitsystems statt, sind alle Aktionen möglich, nur die Alarmierung der Einsatzkräfte wird verhindert. Es ist darauf zu achten, dass die Einsatzkräfte  auch während der Simulation den Disponenten in der Leitstelle für Realeinsätze zur Verfügung stehen, selbst wenn diese in den Szenarien eingesetzt werden.

Idealer Weise könnte die Simulation des Einsatzleitsystems auf einem gespiegeltem System ablaufen. Hier stehen alle gewohnten Inhalte und Funktionalitäten zur Verfügung außer, dass die Schnittstellen fehlen und nichts nach außen gelangt.

Im Mittelpunkt jedes Simulationstrainings steht die audio- / video-assistierte Nachbesprechung der Szenarien im Team (sog. Debriefing). Hier finden, gemeinsam mit speziell geschulten Simulations-Instruktoren, die Analyse des Szenarios und dadurch der eigentliche Lernprozess statt.

Während in der Medizin die Aufzeichnung der nachträglich zu besprechenden technischen Parameter vergleichsweise gering ist, sind diese in einer Leitstelle deutlich komplexer. Neben dem gesprochenen Wort im Raum der Trainingsleitstelle und dem Videobild der agierenden Disponenten, müssen idealerweise alle Funkkanäle, alle Telefonkanäle und alle relevanten Monitorbilder, mindestens  die  Annahmemaske und der Statusbildschirm, mit den dazugehörigen Zeitschienen aufgezeichnet werden.

Im Rahmen der Auswertung ist es günstig, die Menge der Informationen über einen Zeitstrahl zu harmonisieren, um die gleichzeitige und vergleichende Auswertung aller Eingangssignale zu ermöglichen. Nur so lassen sich auch Abhängigkeiten erkennen, welche die Entscheidungen beeinflusst haben und im Debriefing zur Nachbereitung wertvoll sind.

Verwendung finden sollte eine speziell auf die Bedürfnisse der Simulation in einer Leitstelle zugeschnittene Softwarelösung, da die Menge der aufzuzeichnenden Ka- näle andere Simulationssettings deutlich übertrifft.

Während der Aufnahme darf die Auswahl der Ansicht keinen Einfluss auf die Aufzeichnung der einzelnen Kanäle haben, es werden grundsätzlich immer alle Signale aufgezeichnet.

Die Wiedergabe des Szenarios ist idealerweise über die Zeitspur steuerbar, die einzelnen Signale der Betriebstische sollten selektiv und gruppiert je Betriebstisch wiedergegeben werden können.

Über die reine Steuerung des Szenarios mittels eingespielter Notrufe, vorgegebener Rückmeldungen oder sonstige taktische Faktoren, die die Lage beeinflussen können hinaus, sollten auch leitstellentypische Probleme nachgebildet werden können.

Diese Probleme lassen sich realistisch einspielen und bieten im Debriefing die Möglichkeit, auch nicht alltägliche Dinge und die Reaktion darauf zu beleuchten. Gerade Systemstillstände und Systemausfälle der Peripherietechnik führen zu erheblichen Problemen im Bereich der Hochrisikoeinrichtungen, zu denen die Leitstelle unzweifelhaft zählt. Zur Steuerung wäre eine Softwarelösung sinnvoll, über die nicht nur die Vorgänge ausgelöst werden können, sondern welche die Auslösung und die Prob lembehebung durch adäquate Maßnahmen des Leitstellenteams mit einem Zeit- stempel dokumentiert. So lassen sich im Rahmen des Debriefings die Ausfallzeiten in einen Kontext mit den Entscheidungen stellen.

Die oben genannten Anforderungen stellen ein sehr hohes Niveau an Leitstellensimulation dar. ReHaGe Simulatoren entsprechen solchen hohen Anforderungen in jeder Hinsicht.

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